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«Viele Dinge mache auch ich das erste Mal»

Anfang August trat Prof. Dr. Stefan Kuster die Nachfolge von Prof. Dr. Pietro Vernazza als Chefarzt der Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene an. Stefan Kuster war von April bis November 2020 Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten im Bundesamt für Gesundheit und zuvor während fünf Jahren in leitender Funktion am USZ tätig.

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Wie haben Sie sich am Kantonsspital St.Gallen (KSSG) eingelebt?

Stefan Kuster: Sehr gut, ich hätte mir keinen besseren Einstieg vorstellen können. Im ganzen KSSG und speziell im Team Infektiologie/Spitalhygiene wurde ich sehr offen und herzlich empfangen.

Was war Ihnen in den ersten Wochen und Monaten besonders wichtig?

Es war mir vor allem wichtig, alle Mitarbeitenden der Klinik persönlich kennenzulernen und von ihnen zu hören, was aus ihrer Sicht besonders gut läuft und was vielleicht weniger gut. Und ich wollte genau erfahren, was die Mitarbeitenden motiviert, frühmorgens den Weg in Richtung Infektiologie unter die Füsse zu nehmen. Ausserdem wollte ich raschmöglichst eine erste Einsicht in die verschiedenen Bereiche der Klinik erhalten und damit einen guten Überblick über die Kernprozesse gewinnen. Und ich war auch neugierig auf das übrige KSSG und die Kolleginnen und Kollegen, die in anderen Bereichen arbeiten.

«Ich hätte mir keinen besseren Einstieg vorstellen können. Im ganzen KSSG und speziell im Team Infektiologie/Spitalhygiene wurde ich sehr offen und herzlich empfangen.»

Mittlerweile sind bereits fast acht Monate seit meinem Stellenantritt vergangen und ich darf sagen, dass ich das Gefühl habe, nicht mehr überall nur an der Oberfläche zu kratzen. Viele Dinge sind in der Zwischenzeit alltäglich geworden. Besonders freut mich, dass auch schon erste neue Projekte, zum Beispiel im Bereich des rationalen Einsatzes von Antibiotika, in Angriff genommen werden konnten.

Die Mitarbeitenden Ihrer Klinik und Sie selbst waren aufgrund der Pandemie ganz besonders gefordert. Fanden Sie trotzdem Zeit für erste Kontakte mit niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen?

In der Tat waren die letzten Monate pandemiebedingt herausfordernd. Zur zusätzlichen Arbeitslast kam die fehlende Vielfalt an Möglichkeiten, um sich an Fortbildungen, Kongressen und Versammlungen gegenseitig kennenzulernen und zu vernetzen. Dennoch hatte ich Gelegenheit, an einigen kantonalen Fortbildungsveranstaltungen erste Kontakte zu niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen zu knüpfen. Ausserdem habe ich zu meiner Freude einige Weggefährten von früher wieder getroffen. Nun freue ich mich darauf, dieses Netzwerk auszubauen und den Austausch zu intensivieren.

Was macht für Sie eine gute Zusammenarbeit aus?

Das, was man am KSSG überall antrifft: gegenseitige Wertschätzung, Unterstützung und Rücksichtnahme. Einander zuhören, aber auch für die eigenen Interessen und diejenigen der Patientinnen und Patienten einzustehen. Patientenorientierte Medizin, kombiniert mit einer guten Portion Humor.

Was dürfen die zuweisenden Ärztinnen und Ärzte grundsätzlich von Ihnen erwarten?

Professionelle, pragmatische, patientenorientierte Infektiologie und Infektionsprävention sowie brauchbare Antworten auf klinische Fragen.

Weshalb wollten Sie Arzt werden?

Weil das Studium aus meiner Sicht die maximal mögliche Flexibilität bot – sowohl inhaltlich als auch geografisch. Und weil es ein schöner Beruf ist.

Und weshalb Infektiologe?

Weil die Auseinandersetzung mit einem zusätzlichen Mitspieler – ob Virus, Bakterium, Pilz oder Parasit – die Medizin noch spannender macht. Und weil mich die Populationsebene immer interessierte. Es geht nicht nur um den Patienten, das Individuum, sondern bei ansteckenden Krankheiten auch um die Gesundheit von Gruppen oder ganzen Bevölkerungen.

War für Sie stets klar, dass Sie irgendwann die Position eines Chefarztes übernehmen wollen?

Nein, im Gegenteil. Führungsaufgaben haben mich erst mit der Zeit gereizt, als ich realisiert hatte, was Führung wirklich bedeutet. Das Ziel ist: Wie können wir mit einem motivierten Team ein optimales Ergebnis für die Patientinnen und Patienten, die Mitarbeitenden, die Klinik, das Unternehmen und alle Partner erzielen? Und nicht: Alle tanzen nach meiner Pfeife. Die Frage, was ich noch zusätzlich tun kann, damit alle im Team ihre Fähigkeiten maximal entfalten können, treibt mich an. Die Chefarztposition ist dabei nur Mittel zum Zweck.

Wenn Sie zwei Wünsche frei hätten: Was würden Sie sich für die Gesellschaft wünschen?

Dass wir uns nicht immer so ernst nehmen.

Und was für sich persönlich?

Dass ich nie aufhöre, neugierig zu sein.

Prof. Dr. Stefan Kuster

Prof. Dr. Stefan Kuster ist 44 Jahre alt, im St.Galler Rheintal aufgewachsen und seit August 2021 Chefarzt der Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene des Kantonsspitals St.Gallen. Zuvor arbeitete Stefan Kuster von April bis November 2020 als Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten im Bundesamt für Gesundheit. Zwischen 2012 und 2020 war er in verschiedenen Kaderfunktionen am Universitätsspital Zürich tätig und parallel dazu auch beim nationalen Zentrum für Infektionsprävention Swissnoso. Am Universitätsspital Zürich arbeitete Stefan Kuster zuletzt als Leitender Arzt in der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene.

Prof. Kuster schloss sein Medizinstudium 2003 an der Universität Zürich ab. Er verfügt über einen Doppelfacharzttitel in Allgemeiner Innerer Medizin und in Infektiologie. 2010 erlangte er an der University of Toronto einen Master of Clinical Epidemiology and Healthcare Research, den er zwischen 2017 und 2019 mit einem Executive Master of Business Administration (MBA) der Universität Zürich ergänzte. 2013 erteilte die Universität Zürich Stefan Kuster die Venia Legendi für das Fachgebiet Infektiologie. 2020 verlieh ihm die Universität Zürich die Titularprofessur.

Weiterführende Informationen: www.kssg.ch/infekt

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